JMGO PicoPlay+: Die neue Konkurrenz auf dem Beamer-Markt
Wenn du an Beamer aus China denkst, hast du vielleicht noch Vorurteile: billige Technik, schlechte Bilder und kurzlebige Akku-Pakete. Doch am Beispiel von Herstellern wie Xgimi zeigt sich, dass ein cleveres Produktdesign, smarte Software und durchdachtes Zubehör auch aus dem Reich der Mitte kommen können. Genau hier setzt auch JMGO an – und schickt mit dem PicoPlay+ einen auffällig kompakten Mini-Projektor ins Rennen, der es technisch mit deutlich teureren Modellen aufnehmen will.
Das Design des PicoPlay+ erinnert stark an den populären Samsung Freestyle. Eine röhrenförmige Konstruktion auf einem drehbaren Stativ lässt dich das Bild flexibel an jede Wand, die Zimmerdecke oder sogar im Hochkantformat für TikTok und Reels projizieren. Der entscheidende Unterschied: Während das Original auf einen fix verbauten Akku setzt, kombiniert JMGO eine herausnehmbare Powerbank mit USB-C-Anschluss – praktisch für unterwegs und überraschend robust in der Handhabung.
Im Lieferumfang findest du nicht nur das Gerät selbst, sondern direkt ein ganzes Zubehörpaket. Neben dem stabilen Stativ gehören u.a. eine Transporttasche, die Powerbank, Kabel und sogar eine extra Fernbedienung dazu. Schon beim Auspacken wird klar: Hier will jemand Akzente setzen und nicht nur günstig kopieren.
Verarbeitung und Design: Mehr als bloß ein Klon?
Auf den ersten Blick könnten selbst Experten den PicoPlay+ und seinen Samsung-Vorgänger fast verwechseln. Die Form, die Farbe, das Stativ – alles erinnert stark an das bekannte Vorbild. Bei näherer Betrachtung entdeckst du aber clevere Eigenheiten. Die Powerbank im Stativ ist nicht nur zweckmäßig, sondern erlaubt ein sehr leichtes Chassis für den eigentlichen Projektor. Das sorgt nicht nur beim Transport für Punkte, sondern macht den gesamten Aufbau überraschend robust und wackelfrei.
Die Materialanmutung ist solide. Kein klappriges Dünnplastik, sondern eine stabile Konstruktion mit angenehmen Oberflächen. Besonders alltagstauglich: Das gepolsterte Case, in das alle Komponenten mühelos passen. Hier ist an mobile Nutzung wirklich gedacht worden.
Die Bedienknöpfe am Gerät sind sinnvoll angeordnet, als Ergänzung zur gut in der Hand liegenden Fernbedienung. Das Designprinzip „Weniger ist mehr“ setzt sich fort: Trotz Reduktion auf das Nötigste wirkt nichts billig oder improvisiert. Auffällige Designelemente wie das optionale LED-„Ambilight“ mögen Geschmackssache sein, lassen das Gerät aber durchaus modern und jung wirken.
Einrichtung und Bedienung: Schnellstart für Streaming & Co.
Sobald du den JMGO PicoPlay+ einschaltest, fordert er dich zu einer raschen Einrichtung auf – und die fällt dank Google TV besonders leicht. Voraussetzung ist eine WLAN-Verbindung und, für volle Funktionsvielfalt, die Anmeldung mit einem Gmail-Konto. Schon nach wenigen Minuten hast du Zugriff auf die wichtigsten Streaming-Dienste wie Netflix, Apple TV+ oder YouTube.
Die Benutzeroberfläche ist klar strukturiert und schnörkellos. Über die Fernbedienung navigierst du dich intuitiv durch die Menüs, Sprachsteuerung per Google Assistant steht ebenso zur Verfügung. Besonders praktisch: Der Beamer merkt sich Einstellungen für verschiedene Positionen. Ob du das Gerät auf den Tisch stellst, an die Wand richtest oder auf die Decke projezierst – die automatische Trapezkorrektur sorgt für ein immer gerades Bild.
Was den PicoPlay+ von mancher Konkurrenz abhebt, ist die erstaunliche Flexibilität. Die HDMI- und USB-Ports auf der Rückseite machen das Anschließen von Spielkonsolen, Laptops oder Blu-ray-Playern kinderleicht. Auch für klassisches Fernsehen kannst du Streaming-Apps nutzen, ohne auf separate Receiver oder Adapter angewiesen zu sein. Im Notfall erlaubt der USB-Anschluss sogar die direkte Medienwiedergabe vom Stick – etwa bei fehlender Internetverbindung.
Die Bedienung am Gerät selbst läuft über eine Sensortastenleiste. Das ist praktisch für grundlegende Funktionen wie Lautstärke oder Pausieren. Suchtexte in Apps sind dort allerdings eine Geduldsprobe – umso besser funktioniert hier die Eingabe über das Handy oder die Sprachsteuerung.
Bildqualität: Starke Farben im Mini-Format
Kernfrage jedes Beamers ist die Qualität der Projektion. Der JMGO PicoPlay+ setzt auf native Full-HD-Auflösung und liefert in dieser Preisklasse ein angenehm scharfes, farbstarkes Bild. Selbst im stockdunklen Raum überzeugt das Bild durch Klarheit und kräftige Farbtöne. Die Maximalhelligkeit gibt der Hersteller mit 400 ANSI-Lumen an – ein respektabler Wert für einen mobilen Projektor, der aber nicht an Heimkino-Projektoren der 1.000-Euro-Klasse heranreicht.
Im Test offenbart sich: Bei Restlicht im Raum bleiben Farben und Kontraste ausreichend stabil, doch bei Tageslicht stößt der Mini-Beamer rasch an seine Grenzen. Für Outdoor-Einsätze am Abend, Partys oder einen spontanen Filmabend im abgedunkelten Zimmer funktioniert das Gerät jedoch wunderbar.
Die automatische Fokussierung arbeitet schnell, Verzerrungen werden weitgehend selbstständig ausgeglichen. Leider fehlt echte HDR-Unterstützung – bei komplexen Farbverläufen zeigt die Technik gelegentlich Schwächen. Weiße und leuchtend-orange Farbtöne wirken teils abgestuft statt nahtlos, Schwarz geht eher ins Dunkelgrau über. Wer jedoch keine Laborbedingungen erwartet, bekommt dennoch lebendige Bilder für Serien, Filme oder Präsentationen geboten.
Auffällig ist der sogenannte Regenbogeneffekt, besonders in Standbildern oder bei schnellen Szenenwechseln. Das ist eine typische Eigenheit vieler DLP-Projektoren und dürfte nur sehr empfindliche Nutzer stören.
Flexibel für Content aller Art: TikTok, Instagram & Co.
Ein cleveres Feature – ideal für die Generation Social Media – ist der Hochkant-Modus. Das Stativ lässt sich um 90 Grad drehen, sodass du auch vertikale Handyvideos, Portraitfotos oder Storys vom Smartphone projizieren kannst. Für TikTok, Instagram Reels und Co. bist du hier bestens gerüstet und kannst deine Inhalte in großem Format an die Wand bringen. Selbst Präsentationen wirken so ungewöhnlich frisch, wenn sie vertikal ablaufen sollen.
Sound: Hörbar, aber nicht herausragend
Was nützt das beste Bild, wenn der Ton nicht mithält? Der PicoPlay+ setzt auf verbaute Stereo-Lautsprecher, die für normale Netflix-Abende im kleinen Kreis durchaus ausreichen. Die Klangqualität ist sauber und Stimmen sind gut verständlich – allerdings fehlt es an Volumen und Durchsetzungskraft. Anspruchsvolles Heimkino-Feeling kommt im Sound leider kaum auf.
Besonders laute Actionsequenzen oder bassreiche Musik können der kompakten Box wenig entlocken. Gerade bei Blockbustern oder in größeren Räumen empfiehlt sich daher, einen Bluetooth-Lautsprecher zu koppeln. Das geht übrigens unkompliziert und verzögerungsfrei. Der interne Lüfter arbeitet hingegen angenehm leise, sodass du Dialoge und Geräusche klar wahrnehmen kannst – ein Punkt, in dem viele günstige Beamer mit störenden Ventilatorgeräuschen negativ auffallen.
Für wen lohnt sich der JMGO PicoPlay+?
Der Mini-Beamer ist nicht das perfekte Gerät für den klassischen Heimkino-Fan, der große, lichtstarke, mit Features vollgestopfte Modelle gewohnt ist. Aber: Für alle, die einen vielseitigen, mobilen Begleiter für Serien, Filme, Präsentationen und Social-Media-Inhalte suchen, bietet der JMGO PicoPlay+ enormen Mehrwert.
Wenn du auf Flexibilität setzt, gerne mit Freunden unterwegs bist, spontane Kinoabende im Garten oder auf Reisen schätzt – und dabei Wert auf unkompliziertes Handling und gutes Zubehör legst – bist du hier richtig. Der attraktiven Preis – im Handel schon deutlich unter 500 Euro – macht ihn besonders für junge Nutzer und Einsteiger interessant. Technologie-Profis oder Bild-Enthusiasten werden ihn als Zweitbeamer für spezielle Zwecke dennoch schätzen.
Fazit: Smarte Überraschung statt simpler Klon
Nach ausgiebigem Test steht fest: Der JMGO PicoPlay+ ist weit mehr als nur eine chinesische Kopie des Samsung Freestyle. Was du hier bekommst, ist ein clever konstruiertes, robustes und vielseitig einsetzbares Mini-Heimkino, mit dem du auf fast jeder Oberfläche ein großes, scharfes Bild zaubern kannst. Seine echten Stärken liegen im flexiblen Handling, der sehr einfachen Einrichtung und dem reichlich durchdachten Zubehör. Im stockdunklen Raum macht das Bild richtig Spaß, und für Social-Media-Fans ist der Hochkant-Modus eine moderne Ergänzung.
Schwächen beim Ton und Kompromisse bei HDR und maximaler Helligkeit solltest du für den günstigen Preis einkalkulieren. Insgesamt bekommst du ein komplettes Spaßpaket – ideal für junge Leute, Partys, Reisespaß oder das mobile Büro. Anspruchsvolle Cineasten werden sich weiterhin bei Xgimi oder anderen Premium-Beamern umsehen, doch ein günstiger Einstieg ins flexible Heimkino gelingt mit dem PicoPlay+ problemlos.
Er ist kein technisches Wunderwerk, aber ein ehrlich gutes Angebot, das dich mit smarten Ideen und solider Verarbeitung überrascht. So wird aus dem vermeintlichen Klon ein eigenständiger Player im heiß umkämpften Mini-Beamer-Markt – und für viele der Beginn einer ganz neuen Kino-Freiheit.